Ray O. Nolan,
Jahrgang 1945, 
reiste 1986  zum  ersten Mal nach Paraguay, verliebte sich spontan in das Land der Gau- chos und Kolibris  und  –  be- schloß nach einigen weiteren Reisetrips,  sich  dort  für  im- mer niederzulassen. Bis heu- te hat er diese  Entscheidung nicht bereut.

"Jeder ist in der Fremde – viel mehr als zuvor zu Hause – seines Glückes eigener Schmied."

Was wäre wohl gewesen, wenn nicht jemand das tragbare Telefon erfunden hätte, und wenn es keinen Bild Gates,  keine E-Mails, geben würde? 
Ich frage den Autor, ob er dennoch in Paraguay geblieben wäre. Ray Nolan starrt mich eine Weile nachdenklichn an, dann schüttelt er zu meiner Überraschung mit dem Kopf. "Nein, vermutlich nicht. Ich bin eigentlich kein Aus-steigertyp und kann daher nur für mich selbst sprechen. Ich glaube, ich hätte auf all das Wun-derbare hier verzichtet und wäre wieder in die Tretmühle zurückgekehrt. Es wäre einfach beruf-lich nicht anders gegangen. Gott,
ja – genau-genommen kann ich dies alles hier also nur genießen, weil ich ein blödes Handy habe, über das ich mich inzwischen jeden Tag ärgere und weil ich 24 Stunden am Tag mit dem Computer online bin.  –  Ist  schon  eine ' merkwürdige Welt, oder?"
Das Kolibri scheint äußerst neugierig zu sein, schwirrt schon wieder greifbar nah heran und beäugt uns. Vielleicht sollte ich Bill Gates mal einen Brief schreiben, geht es mir durch den Kopf. Er ahnt ja vermutlich nicht einmal, dass sein Outlook-Express irgendwas mit winzigen Kolibris zu tun hat...

Links zum Thema:  
Homepage von Ray O. Nolan
 
Bücher von Ray O. Nolan

"Für mich war das keine sehr schwere Entscheidung", erin-nert sich der heute 61-jährige."Privat und beruflich war ich ungebunden, das immergrüne und meist sonnige Paraguay faszinierte mich und man konnte und kann dort noch seine Traumhaus-Ambitionen ohne den aufreibenden Genehmi-gungsweg bei den Behörden zu wirklich  günstigen Preisen realisieren. Für mich gab das damals den ausschlagge-benden  Ruck, die Container zu packen und Old Germany den Rücken zu kehren."
1989 bezog Ray Nolan seine 690-qm-Nobelvilla am Ufer des Ypacaraí-Sees. Hier  schrieb er auch seine grenzwissenschaftlichen Sachbücher und den Roman "Der Seher",  der teilweise   in  Paraguay spielt und nun auch verfilmt werden soll.
In Paraguay leben heute ca. 150.000 Deutsche und Deutsch-stämmige.
In fast allen Landesregionen gibt es deutsche Bäcker, Metzger oder deutsche Restaurants, so daß man auch auf liebgewonnene Ess-gewohnheiten nich verzichten muß.

Für Ray O. Nolan, der in Deutschland unter zahlreichen Pseudo-nymen als freier Journalist und Autor Dokumentationen, Romane, Drehbücher und Fortsetzungsserien schrieb, begann mit dem Auswandern ein völlig neuer Lebensabschnitt. Schon sehr bald zeigte sich, dass sich auch freischaffende  Schriftsteller in der Fremde nicht einfach unter eine Palme setzen können,  um nun – lediglich in einer anderen Umgebung –  wie gehabt weiter zu agieren. Die damals fehlenden, aber in seinem Beruf notwen- digen, Kommunikationsmittel wie Telefon, Fax, sichere Postzu- stellung, rasche Bankverbindungen usw. waren einfach nicht vor- handen.  Für Verlage und Agenturen war der Autor nur auf dem Postweg zu erreichen,  und  er selbst musste kilometerweit fah- ren und oft ein, zwei Stunden warten, um nach Deutschland te- lefonieren zu können.

"Ohne Telefon war ich nur ein halber Mensch. Eine  einzige blöde Frage an meinen Agenten brauchte bis zu 10 Tagen, bis sie ihn auf dem Postweg erreichte  und  dann  nochmal so lange, bis ich die Antwort hatte. Ich war praktisch nicht erreichbar, musste meinen Beruf ziemlich über den Haufen werfen und nun Dinge schreiben, wo Tempo und Aktuallität nicht ganz so wichtig waren. Erst mit der Einführung der Handys, etwa ab 1994/95, wurde das dann etwas besser.
   "Meine ersten Jahre in Paraguay waren recht mühsam."                                                       
"Es gab keine besonderen Gründe –
                    ich wollte einfach nur weg..."
  Ray O. Nolan wählte Paraguay                                             
     Magazin  1   2   3     
Heute, mit den Möglichkeiten des Internet und der blitzschnellen E-Mails, sind diese Pro-bleme endlich vom Tisch. Und nun ist es natür-lich richtig toll, hier zu leben. Die Welten sind durch Bill Gates näher aneinandergerückt."
Wir sitzen auf der Terrasse des neuen Hauses, welches der Autor vor einigen Monaten bezogen hat. Die Dämmerung zieht auf und ein Konzert aus Hunderten von Vogelstimmen beginnt um uns herum.Ray Nolan deutet zu den Bäumen hinüber, die sich nun als schwarze Silhouetten gegen den orangeroten  Himmel abzeichnen. "Ohne dieses Gezirpe, Gezwitscher und Ge-schrei könnte ich nicht mehr leben", sagt er und lächelt. "Diese immer noch sehr ursprüngliche Natur, das satte Grün, all die vielen Bäume, die auch im paraguayischen Winter blühen – das alles macht irgendwie süchtig..."
Ein Winzling an Vogel huscht plötzlich über die Terrasse, verharrt keine anderthalb Meter vor uns bewegungslos in der Luft und betrachtet uns argwöhnig. Ein Kolibri – kaum größer als zwei Walnüsse. Der leichte Wind trägt den Duft von Blüten, feuchter Erde und Gräsern zu uns.  Ich nicke  und sehe dem kleinen Ding nach, das nun ebenso rasch davonschwirrt, wie es gekom-men war.
Ja, diese Welt hier kann schon süchtig machen. Diese Welt, die so ganz anders ist, als jene, die wir von daheim her kennen.

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